Mittwoch, 31. Dezember 2014

Gender Mainstreaming Jahresabschluss-Quiz: Wer hat’s gesagt?

Weil in diesem und in den Jahren zuvor soviel Irreführendes zu Gender Mainstreaming zu lesen war, bieten wir zum Jahresende ein Ratespiel an. Das erweitert hoffentlich den Horizont für das Jahr 2015. 

Bitte ordnen Sie die unten stehenden Aussagen den folgenden Quellen zu: 

a) AfD      b) NPD     c) Pegida     d) F.A.Z.

A) „(...) das sogenannte Gender Mainstreaming, bringt bisher kaum zu kalkulierende Konsequenzen mit sich. Die Gender-Ideologen behaupten, daß es die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht gibt, daß Geschlechter lediglich sozial konstruiert seien.“

B) „Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie. Das wird von deren Befürwortern sorgsam vernebelt. Dabei ist Information über die Folgen des „Gender-Mainstreaming“ auch bei der Kinderbetreuung und der Sexualerziehung das gute Recht der Eltern.“

C) „Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen (sog. gender mainstreaming), sind sofort zu beenden.“

D) „XXX ist gegen dieses wahnwitzige "Gender Mainstreaming", auch oft "Genderisierung" genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!“


Die Auflösung finden Sie weiter unten. Um die Aussagen nicht so stehen zu lassen, hier jedoch noch inhaltliche Anmerkungen zu den sachlichen Fehlern in den Zitaten: 

1. „Die Gender-Ideologen behaupten, daß es die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht gibt“ ist falsch. Die Geschlechterforschung befasst sich mit der Herstellung und den Ausformungen von Geschlechterunterschieden, die es natürlich gibt (die aber immer auch mit weiteren gesellschaftlichen Unterschieden verwoben sind, zum Beispiel Alter, Migrationshintergrund, ...). Nur dass es in demokratischen Gesellschaften eine „natürliche Ordnung“ der Dinge geben soll, die bitteschön nicht verhandelbar ist, das wird in der sozialwissenschaftlichen Geschlechterforschung fürwahr bezweifelt.  

2. „Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie.“ Diese Aussage ist unverschämt und wird nicht belegt. Gender Theorien befassen sich mit gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen. Gender-Theorien waren Teil meiner Promotion (in Politikwissenschaften). Kinder kommen in meiner Dissertation nicht vor. (Die Verfasserin dieses Zitats ist aber sicher fest davon überzeugt, dass sich hier um eine perfide Vernebelungstaktik handelt – ziemlich wahnwitzig, das). 

3. „Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen...." - siehe oben zum Thema "natürliche Ordnung". 

4. „...’Gender Mainstreaming’, auch oft ‚Genderisierung’ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!
Das sind drei unterschiedliche Sachverhalte:
- Gender Mainstreaming als Organisationsstrategie zur Herstellung der verfassungsgemäßen tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern (siehe dazu auch Klartext zu Gender Mainstreaming)
-  „Genderisierung“: Wird auch in der Gender-Theorie kritisiert. Bitte erst einmal lesen: Undoing Gender (Judith Butler)
- Geschlechtsneutralisierung „unserer“ Sprache. Das ist auch meine Sprache und ich spreche lieber geschlechtsneutral als geschlechtsparteiisch. Dies können aber von mir aus alle Sprechenden so handhaben, wie sie es gerne möchten. Die Forderungen nach einer neutralen Sprache gab es schon lange bevor Gender Mainstreaming hierzulande als Fachbegriff eingeführt wurde. Das eine hat auch nur bedingt mit dem anderen zu tun. 

Infos und Beispiele zu Gender Mainstreaming gibt es bei der Bundeszentrale für Politische Bildung



Hier die Auflösung:

Zitat A) - b) Landtagswahlprogramm der NPD Brandenburg vom Mai 2012. 
Url: http://npd-brandenburg.de/?page_id=1053

Zitat B) - d) Heike Schmoll im Beitrag der F.A.Z. vom 11.11.2014: „Gender Mainstreaming. Das gute Recht der Eltern“ (Kommentar). 
Url: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gender-mainstreaming-das-gute-recht-der-eltern-13258831.html (Die Verfasserin ist zuständig für den Bereich „Bildungswelten“ der F.A.Z.)

Zitat C) – a) Björn Höcke, Spitzenkandidat der AfD Thüringen zur Landtagswahl am 14. September 2014. 
Url: http://afd-thueringen.de/2014/06/10-thesen-fuer-den-freistaat-thueringen/

Zitat D) - c) aus dem 19 Punkte Papier der Pegida (Punkt 17).


(Alle Links abgerufen am 31.12.2014)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Gleichstellungspolitisch tolles Berlin

Es ist nicht alles schön und gut in Berlin. Die Stadt wurde viel gescholten für das BER-Desaster.  Sie ist eine ewige Baustelle. Sie hat einen öffentlichen Personennahverkehr, der Pünktlichkeit zur Glücksache macht. Aber heute soll das Gemeckere zurückstehen, denn: ich lebe mit Begeisterung in einer Stadt, die so ein tolles gleichstellungspoilitisches Leitbild hat. Die Regierung hat es im April diesen Jahres beschlossen. Die zehn Leitsätze decken verschiedene Lebensbereiche ab und geben eine Perspektive, wie es denn einmal sein könnte.
Da heißt es jetzt: Umsetzen - und am besten so flott wie möglich...

Freitag, 28. November 2014

"Selbstdisziplinär"? Der Deutsche Werberat und wie er die Welt sieht

Neulich schlug mir dieser Aufsteller in einer Tankstelle entgegen:



Auf meine Beschwerde reagierte der Deutsche Werberat wie folgt:
"Sehr geehrte Frau Frey,
wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 22. November 2014 und teilen Ihnen mit, dass die von Ihnen kritisierte Werbemaßnahme bereits Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens vor dem Deutschen Werberat war. Nach Überprüfung der Werbemaßnahme hat dieser sich im Ergebnis gegen eine Beanstandung entschieden.
Der Deutsche Werberat, die selbstdisziplinäre Einrichtung der deutschen Werbewirtschaft, beanstandet eine werbliche Maßnahme dann, wenn sie gegen die herrschenden gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstößt. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn eine Werbung einen diskriminierenden oder herabwürdigenden Inhalt aufweist. Der von Ihnen kritisierte Werbeaufsteller zeigt eine Frau, deren Brust- und Schambereich von Produkttüten überlagert wird. Der in Verbindung mit dem Bild verwendete Slogan „Feed your wild side“ ist sehr allgemein gehalten und richtet sich an Frauen wie an Männer. Anders verhielt es sich übrigens im Jahr 2010: Der damals ebenfalls in Zusammenhang mit dem Werbemotiv verwendete Werbetext „Ein Mann. Ein Snack“ wurde von dem Unternehmen nach Intervention des Werberats geändert.
Sicherlich wird die Frau vorliegend als „Blickfang“ benutzt, um die Aufmerksamkeit der Betrachter zu erlangen, daher stellt diese Art der Bewerbung einen Grenzfall dar. Dennoch sind wir der Ansicht, dass dies nicht in einer demütigenden Art und Weise geschieht oder Frauen hierdurch auf ihre rein sexuelle Funktion reduziert würden." 
Hier meine öffentliche Antwort:
 In den den letzten "Abschließenden Bemerkungen" zum Bericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Konvention zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) meint der Ausschuss der Vereinten Nationen:
 „Außerdem ist der Ausschuss besorgt über die anhaltende sexistische Werbung und über die Unzulänglichkeit des von der Werbeindustrie zur Annahme und Bearbeitung von Eingaben wegen sexistischer Werbung eingesetzten Deutschen Werberats“ (S. 7).

Diese Aussage hat der Werberat durch den Umgang mit meiner Beschwerde nun tatsächlich trefflich bewiesen. Vielen Dank für diese Steilvorlage, denn der nächste CEDAW-Bericht steht an und wir schauen einmal, ob aus dem "selbstdisziplinären" Rat ein interdisziplinäres und auch unabhängiges Gremium werden kann. 
Denn wer nicht erkennen kann, dass diese Werbung sexistisch ist, hat dann doch ein ziemlich verschrobenes Weltbild.


<a href=”http://werbung.pinkstinks.de/><img src=”https://werbung.pinkstinks.de/wp-content/uploads/2014/06/badgebanner-01.png” alt=”Schluss mit Sexismus in der Werbung” width=”305″ height=”255″></a>

Montag, 9. Juni 2014

Exzesse des Gender-Marketing, Teil 3: Beispiele aus über dem großen Teich

Hier ist ein witziges Video aus Australien, das einige Exzesse des Gender-Marketing vor allem bei Spielzeug und Hygiene-Artikeln zeigt. Auch der Stift der Firma BIC  ("A ball pen essentially for women!" - seufz) wird auf die Schippe genommen.

Fazit: Nicht geschlechtssegregierte Produkte kaufen heißt: Geld sparen...!

Funny (aber leider nur auf Englisch): http://www.youtube.com/watch?v=3JDmb_f3E2c

Montag, 28. April 2014

Klartext zu Gender Mainstreaming


In den Medien ist derzeit viel über Sexualerziehung und sexuelle Vielfalt zu lesen. Immer wieder wird in den Beiträgen selbst, oder spätestens in den Kommentaren, ein Bezug zu Gender Mainstreaming hergestellt. Die Strategie wird als „Umerziehungsprogramm“ dargestellt oder es wird suggeriert, dass Gender Mainstreaming bestimmte sexuelle Orientierungen nahelege oder einen Angriff auf die Geschlechtsidentität von Personen darstelle. Da ich seit über zehn Jahren als Gender-Beraterin mit und über Gender Mainstreaming arbeite, wundert mich eine solche Interpretation des Begriffs doch zutiefst. Deswegen hier ein paar klärende Worte zum Thema.


In einem Beitrag von 2004 („Entwicklungslinien: Zur Entstehung von Gender Mainstreaming in internationalen Zusammenhängen“) habe ich erläutert, wie Gender Mainstreaming im Zusammenhang des internationalen Entwicklungsdiskurses und durch die Vereinten Nationen entstanden ist. Deswegen hier noch einmal eine Klarstellung in Form der Übersetzung einer Definition von Gender Mainstreaming des Wirtschafts- und Sozialrats der VN aus dem Jahr 1997: „Mainstreaming einer Gender-Perspektive ist der Prozess, die Auswirkungen für Frauen und Männer jeder geplanten Aktion, einschließlich der Gesetzgebung, Politiken und Programme in jedem Bereich und auf allen Ebenen festzustellen. Es ist eine Strategie, um die Bedürfnisse und Erfahrungen sowohl von Frauen als auch von Männern zur integralen Dimension des Designs, der Umsetzung sowie der laufenden Überprüfung und Evaluierung von Politiken und Programmen zu machen, und zwar in allen politischen, ökonomischen und sozialen Bereichen, sodass sie Frauen und Männer gleichermaßen zugute kommen und Ungleichheit nicht fortgeführt wird. Das ultimative Ziel ist es, die Gleichberechtigung der Geschlechter („gender equality“) zu erreichen.“ (Originaltext und Quelle unten).

Auch wenn das einigen Leuten gleich wieder zu sperrig ist: Der letzte Satz ist zentral, denn Gender Mainstreaming ist eine fachliche Strategie, die auf die Durchsetzung der Gleichberechtigung als Staatsziel abstellt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ (aus Art. 3 Abs. 2 des Grundgesetzes, Url: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html). 

Die internationale Definition ist in den letzten 15 Jahren auch nicht im Sinne eines Umerziehungsprogramms umgedeutet worden. Das zuständige Bundesministerium erklärt Gender Mainstreaming Ende 2012 in oben erläutertem Sinne: „Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.“ (Url: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=192702.html). Auch hier werden die entsprechenden Rechtsgrundlagen erläutert.


Menschen, denen die Verfassung und die darin garantierten Grundrechte etwas Wert sind, sollten also alarmiert sein, wenn Gender Mainstreaming einseitig und verzerrend dargestellt wird. Oder auch wenn eine Beatrix von Storch (AfD) vom „Gift der Genderideologie“ spricht und dazu aufruft Abgeordnete dazu zu befragen ob sie „die sofortige und uneingeschränkte Beendigung aller Maßnahmen des Gendermainstreaming“ unterstützen (Kath.net vom 3.4.14). 

 
Quellen/weitere Literatur:

  • Behning, Ute/Sauer, Birgit (2005): Was bewirkt Gender Mainstreaming? Evaluierung durch Policy-Analysen. Frankfurt a.M.: Campus Verlag.
  • Bothfeld, Silke/Gronbach, Sigrid/Riedmüller, Barbara (2002): Gender Mainstreaming – eine Innovation in der Gleichstellungspolitik. Zwischenberichte aus der politischen Praxis. Frankfurt a.M.: Campus Verlag,
  • Frey, Regina (2004): Entwicklungslinien: Zur Entstehung von Gender Mainstreaming in internationalen Zusammenhängen. In: Meuser, Michael/Neusüss, Claudia (Hg.): Gender Mainstreaming. Konzepte – Handlungsfelder – Instrumente. Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung Nr. 418, Bonn, S. 24-39.



Hintergrund:



Die ECOSOC-Definition im Original: “Mainstreaming a gender perspective is the process of assessing the implications for women and men of any planned action, including legislation, policies or programs, in any area and at all levels. It is a strategy for making women’s as well as men’s concerns and experiences an integral dimension of the design, implementation, monitoring, and evaluation of the policies and programs in all political, economic, and societal spheres so that women and men benefit equally, and inequality is not perpetuated. The ultimate goal is to achieve gender equality.” 
Quelle: United Nations Economic and Security Council, E.1997.L.30.Para.4. Adopted by ECOSOC July 7, 1997. Url: http://www.un.org/documents/ecosoc/docs/1997/e1997-66.htm (aufgerufen am 28.04.2014)

Freitag, 7. März 2014

Was will die ZEIT?

In der Wochenzeitschrift DIE ZEIT erschien anlässlich des Internationalen Weltfrauentags ein Beitrag von Mariam Lau mit dem vielsagenden Titel: "Was will das Weib?". Meiner Kollegin Monika Schröttle und mir wurde das einfach zuviel. Unfundiertes Polemisieren statt Recherche wenn es um Geschlechterpolitik geht, das sind wir inzwischen gewöhnt. Die Zeit reiht sich da inzwischen ein, nicht erst seit Harald Martensteins Auslassungen zur Geschlechterforschung im ZEIT-Magazin im letzten Jahr. War die ZEIT nicht einmal ein Blatt für Intellektuelle?  
Hier der Text: 


Internationaler Frauentag: Aufforderung zu einer informierten und differenzierten Berichterstattung zu Geschlechterpolitik und Feminismus

Erwiderung zum Beitrag „Was will das Weib?“ in der ZEIT anlässlich des Internationalen Frauentages 2014

Zum internationalen Frauentag erscheint auf Seite eins der Zeitung „Die Zeit“ ein Beitrag von Mariam Lau mit der Überschrift „Was will das Weib?“ (siehe: http://www.zeit.de/2014/11/feminismus-prostitution-internationaler-frauentag) – ein Kommentar (in der Printfassung nicht als solcher gekennzeichnet), der uninformiert Behauptungen aneinanderreiht. Der Beitrag zeigt: Diese Zeitung beteiligt sich inzwischen ohne jegliche Recherche und Information über den aktuellen Stand geschlechterpolitischer Debatten am allgemeinen „Feminismus-Bashing“. Undifferenziert verbreitet die Autorin Mariam Lau Un- und Halbwahrheiten über „den Feminismus“ und seine vermeintliche Schuld an den derzeitigen Geschlechterbeziehungen. So seien an der Kriminalisierung von Prostitution „die“ Feministinnen schuld, es gebe in Europa inzwischen einen Staatsfeminismus und das Schlimme am Feminismus sei, dass er Misstrauen zwischen den Geschlechtern schaffe. Er verhindere die Suche nach Glück, trage dazu bei, dass Akademikerinnen keine Männer und Kinder mehr bekämen, die Ehen nicht hielten und die Zahl Alleinerziehender hoch sei. Auch die Aufdeckung von Kindesmissbrauch durch Väter und Bademeister in Krimiserien wie dem Tatort schüre das Misstrauen. „Wer sich in Beziehung begibt, kommt darin um“, so ein Fazit der Autorin. Klar, in anderen Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Iran, so Lau weiter, sei das Thema wichtig, da dort ja ein blutiger Kampf um die „Verfügung über den weiblichen Körper“ geführt werde. Aber bei uns in Westeuropa stünden „Feministinnen längst auf der historischen Bühne“, wüssten nicht mehr, was zu tun sei und außerdem zeige „sich immer wieder - viele Feministinnen kennen die Frauen eigentlich nicht besonders gut“.
Diese Aussagen werden weder belegt, noch wird ihnen eine andere Meinung gegenübergestellt. Kein Wort davon, dass die Schwedischen Prostitutionsgesetze in feministischen Kreisen kritisch und kontrovers diskutiert wurden, dass es in Deutschland gerade Feministinnen waren, die die Anerkennung von Prostitution als Beruf einforderten, die kontinuierlich nach Wegen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter suchen und die sowohl in Wissenschaft wie auch in Politik und Gesellschaft einen Abbau geschlechterstereotyper und –polarisierender Sichtweisen einleiten. Denn erst durch einen Abbau von Diskriminierungen und Gewalt wird die Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben „auf Augenhöhe“ geschaffen. Kein Wort auch davon, dass vor wenigen Tagen eine große europäische repräsentative Studie der European Union Agency for Fundamental Rights das weiterhin hohe Ausmaß von Gewalt gegen Frauen, auch in den nord- und westeuropäischen Ländern nachgewiesen hat (siehe http://fra.europa.eu/DVS/DVT/vaw.php).
Wer ist Schuld an dem von der Autorin beklagten Misstrauen und Unfrieden im Geschlechterverhältnis? Etwa diejenigen, die diese fortbestehenden Probleme aufdecken, benennen und zu verändern versuchen? Dass die Geschlechterverhältnisse nach wie vor ungleich sind, zeigen viele aktuelle Studien, nicht zuletzt der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (siehe: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=174358.html). Warum berichtete die ZEIT eigentlich nicht hierüber?

Schlimm ist nicht, dass es über die Sichtweisen und konkreten Umsetzungswege zur Veränderung der Geschlechterverhältnisse kontroverse Debatten gibt. Schlimm ist aber, dass in einer renommierten Zeitung wie der ZEIT sich Journalistinnen und Journalisten nicht einmal mehr über aktuelle Feminismus-Debatten informieren müssen, bevor sie zum Thema schreiben, sondern platteste Ressentiments und ungeprüfte Klischees über „den Feminismus“ verbreiten dürfen. Der Beitrag in der aktuellen Zeit, zum Anlass des Internationalen Frauentages ist nicht der erste dieser Art und reiht sich in antifeministische Argumentationen ein (siehe dazu auch kritisch den jüngst erschienenen Band, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung unter: http://www.gwi-boell.de/de/2013/11/20/gender-wissenschaftlichkeit-und-ideologie-argumente-im-streit-um-geschlechterverh%C3%A4ltnisse). Der Beitrag folgt einer Linie, die sich in den letzten Jahren in der ZEIT verstärkt hat und durch den polemischen Rundumschlag von Harald Martenstein im ZEIT-Magazin zum Thema Geschlechterforschung („Schlecht – schlechter – Geschlecht“, siehe http://www.zeit.de/2013/24/genderforschung-kulturelle-unterschiede) einen ersten Höhepunkt fand. Das sind keine Einzelfälle, sondern es spiegelt inzwischen eine redaktionelle Grundlinie wieder. Das Fass ist nun übergelaufen.
Wir fordern deshalb anlässlich des Internationalen Frauentages 2014 die Wochenzeitschrift DIE ZEIT auf, künftig informiert, differenziert und wissenschaftlich fundiert über Feminismus und Gleichstellung der Geschlechter zu informieren.

Dr. Monika Schröttle, Interdisziplinäre Gewaltforscherin an den Universitäten Gießen und Erlangen-Nürnberg
Dr. Regina Frey, genderbüro Berlin 


Samstag, 1. März 2014

Ein Ministerpräsident ist für DIE Gender-Theorie? Brief an die F.A.Z.

Ab und an lese ich die Printversion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gestern war hier auf Seite 4 ein Einspalter abgedruckt mit dem lustigen Titel „Kretschmann für Gender-Theorie“. Meine erste Reaktion war: für WELCHE Theorie ist denn nun der Herr Ministerpräsident? Die Inhalte dieses kurzen Einspalters bzw. das, was darin nicht vorkam, veranlassten mich dann doch zu einem Brief an die Redaktion. Sie sollte zumindest die Chance bekommen, ein Thema in seiner Bandbreite darzustellen. Da es durchaus vorkommen könnte, dass der Brief nicht oder deutlich gekürzt abgedruckt werden wird - hier bitteschön:

Sehr geehrte Redaktion,


Sie schreiben, Ministerpräsident Kretschmann habe „…es abgelehnt, die sogenannte Gender-Theorie als theoretische Grundlage des neuen Bildungsplans zu verwerfen“. Dies legt nahe, es gebe eine bestimmte Gender-Theorie und bei dieser wiederum ginge es um …“Phänomene wie ‚Intersexualität‘ oder ‚Transgender‘“. Aus fachlicher Sicht ist diese Darstellung eine starke Verkürzung, denn es gibt zwar die „Gender Studies“ (Geschlechterforschung), diese haben aber keine einheitliche Theorie, sondern befassen sich in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit der gesellschaftlichen Kategorie Geschlecht. Das Verhältnis zwischen biologischem Geschlecht (englisch: Sex) und sozialen Geschlechterverhältnissen (englisch: Gender) war und ist Gegenstand vielfacher Auseinandersetzungen innerhalb der Geschlechterforschung. Mit sexuellen Identitäten bzw. Fragen der Heteronormativität, Intersexualität oder Transgender befassen sich dabei vor allem Queer-Theorien.
Auf Diskreditierungsversuche der Geschlechterforschung haben inzwischen einige französische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reagiert: In der Petition: „Gender Studies/Geschlechterforschung, Forschung und Bildung/Erziehung: Ein gutes Zusammentreffen“, die inzwischen über 14.000 Personen unterzeichnet haben, heißt es unter anderem: „NEIN, die vorgebliche «Gender-Theorie» existiert nicht, dafür aber existieren die Gender-Studies/Geschlechterforschung. Gender ist ganz einfach ein Konzept, um objektive Realitäten zu denken. Man ist nicht ein Mann oder eine Frau in der gleichen Form im Mittelalter oder heute. Man ist nicht Mann oder Frau in der gleichen Form in Afrika, in Asien, in der afrikanischen Welt, in Schweden, in Frankreich oder in Italien.“
Auch wird in Ihrem Beitrag die Position der Kirchen dargestellt, die in dieser Sache das „Indoktrinationsverbot“ einfordern – also offensichtlich im Vorgehen der baden-württembergischen Landesregierungen einen Indoktrinierungsversuch wittern: „Was in der Wissenschaft kontrovers diskutiert wird, etwa die Gender-Theorie, muss auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden.“ Dazu bleibt anzumerken, dass kirchliche Vorstellungen von gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen alles andere als unumstritten sind (auch innerhalb der Kirchen). Wenn, wie hier nahegelegt wird, mit „Gender-Theorie“ eine normative Auffassung darüber gemeint wäre, wie gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse auszusehen hätten (was zum Beispiel eine „normale“ Familie sei), dann vertreten auch die Kirchen eine bestimmte „Gender-Theorie“. Möchte man unbedingt Maßstäbe von Wissenschaftlichkeit anlegen, so wäre zu sagen: Kirchliche Vorstellungen zum Thema sind „wissenschaftlich“ weitaus umstrittener, als die Aussage, dass biologische Faktoren gesellschaftliche Handlungsspielräume von Menschen verschiedenen Geschlechts nicht von vorne herein festlegen. Denn dies wiederum ist weit über die Geschlechterforschung hinaus heute wissenschaftlicher Konsens – übrigens auch in naturwissenschaftlichen Fachrichtungen.

Hinweise:

·        Petition: «Les études de genre, la recherche et l’éducation :la bonne rencontre » http://genrerechercheeducationrencontre.unblog.fr/le-texte-national/ - auf Deutsch : http://genrerechercheeducationrencontre.unblog.fr/la-petition-en-allemand/
·        “Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie – Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse” verfasst von Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen und Sebastian Scheele, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung/Gunda Werner-Institut. http://www.gwi-boell.de/de/2013/11/20/gender-wissenschaftlichkeit-und-ideologie-argumente-im-streit-um-geschlechterverh%C3%A4ltnisse


Donnerstag, 3. Oktober 2013

Männer gegen Gleichstellung? Eher: Empirie gegen aufgesexte Schlagzeilen

Ein Gastbeitrag von Sebastian Scheele


„Männer haben genug von Gleichberechtigung“, das berichtet dpa, und viele Medien übernehmen es: Spiegel online, stern, Kölner Stadtanzeiger: „Männern reicht es mit der Emanzipation“... In den Texten sind es dann angeblich immer noch zwei Drittel der Männer, denen es zu viel ist mit der Gleichberechtigung. Was für eine Zahl! Das möchte ich nachlesen. Und was stellt sich heraus? Diese Schlagzeile geht zurück auf ein einziges reißerisch (man könnte auch mit einigem Recht sagen: verfälschend) dargestelltes Item.

Insgesamt geht’s bei der Studie primär überhaupt nicht um Gleichstellungspolitik und Gleichberechtigung, sondern nur um "Rollenverständnis", und um Arbeitsteilung in der heterosexuellen Partnerschaft – nein, sogar nur um EINSTELLUNGEN zur Arbeitsteilung in der Partnerschaft (der Unterschied zwischen Einstellungen und Realität – auch so ein feiner Unterschied, der in der Berichterstattung über sozialwissenschaftliche Studien oft unter die Räder kommt...). Was die ganzen „Rollenfragen“ angeht, ist der Tenor: die Männer sind überfordert aufgrund von double messages, der Gleichzeitigkeit von traditionellen und progressiven (Selbst)Ansprüchen. 
Soweit, so un-neu – und überhaupt kein Befund, der irgendwie gegen Gleichstellungspolitik spricht. Im Gegenteil, man kann über diese Dinge sehr gut ohne antifeministische Schlagseite reden (ich denke spontan z.B. an Michael Meusers Forschung (z.B. hier). Anders: Mit dem Gender-Auge sieht man mehr ;-)

Doch wie kommt es aus der Rollenverständnismeinungsforschung zu den zwei Drittel Männern „gegen Gleichberechtigung“? Die „Bild der Frau“-Ausgabe, die ich heute im Cafe lesen konnte, hilft da nicht viel weiter, da muss ein Blick in die Studie selbst her, von der zumindest ein „Kommentarband“ online ist.
Und siehe da: Die „zwei Drittel der Männer gegen Gleichberechtigung“ finden sich in der Studie selbst überhaupt nicht. Sie gehen zurück auf einen Satz aus dem Vorwort zur Studie, geschrieben von "Bild der Frau"-Redakteur_innen:
"Und trotzdem sagen schon jetzt 64 Prozent der deutschen Männer: „Es reicht mit der Gleichberechtigung!“" (S. 3). Aber: diese Behauptung ist überhaupt nicht gedeckt von der Studie. Wer es genauer nachschauen möchte: die Frage, bei der das angeblich herauskam, findet sich in Schaubild 20 auf Seite 32.
Was richtig ist: wenn man 36% und 28% zusammenzählt, kommt man auf 64%, was „fast zwei Drittel“ ist. Was falsch ist: dass die Mittelgruppe, die mit "Es ist gut so, wie es ist" geantwortet hat, und die im Übrigen die größte Gruppe ist, umstandslos mit der ablehnenden Gruppe "Was da gemacht wird, ist zum Teil schon übertrieben" zusammengefasst wird. Mit genau derselben Berechtigung könnte man die Mittelgruppe mit der zustimmenden Gruppe zusammenzählen - dann wäre die Schlagzeile: "Fast zwei Drittel der Männer fordern eine Fortsetzung oder Intensivierung der Bemühungen um Gleichberechtigung".
Und: Die Fragestellung und die Antwortmöglichkeiten sind missverständlich, oder auf gut soziologisch "nicht valide": Das Messinstrument misst nicht das, was es messen soll. Denn: "Es ist gut so, wie es ist" hat einen unklaren Bezug. Es kann sich auf den Status Quo der Geschlechterverhältnisse beziehen: don't rock the boat, nicht weiter gleichberechtigen, alles so lassen wie es ist. So wird es im Text zum Schaubild erläutert –obwohl dann der Unterschied zur Frage im vorhergehenden Schaubild 19 sehr unklar wird. Und so wird es nun ja auch medial ausgewertet. Es kann sich aber auch auf den Status quo der Gleichberechtigungsbemühungen beziehen, den Handlungsbedarf – so wie es in der Logik der Frage angelegt ist, als Mittelposition zwischen "mehr müsste getan werden" und "es wird schon zu viel getan": es wird gerade richtig viel getan. Also ein Appell zum "weiter so in der Gleichstellungspolitik", wir sind im richtigen Tempo in die richtige Richtung unterwegs usw. usf.

Apropos "Gleichstellung": Ich finde es zudem missverständlich, dass nach "Gleichberechtigung" gefragt ist. Das ist eine enorm unklare Frage: Soll es tatsächlich um die RECHTLICHEN Aspekte von Gleichstellung gehen? Wenn mir diese Frage gestellt würde, und wenn ich die Frage ernst nehme, würde ich vermutlich auch antworten "Es ist gut so, wie es ist" - denn die Gleichberechtigung ist in der Tat eigentlich erreicht, d.h. die weiterhin bestehenden gleichstellungspolitischen Probleme sind nicht primär rechtlicher Natur, sie liegen glücklicherweise nicht mehr in explizit festgeschriebenen unterschiedlichen Rechten von Frauen und Männern (beispielsweise Wahlrecht, Geschäftsfähigkeit etc.). Und zack würde mich Bild der Frau, dpa etc. zur angeblichen antifeministischen Mehrheit zählen, na vielen Dank auch.
Dass die drei Antwortmöglichkeiten auch keine neutral oder symmetrisch formulierten Positionen sind... - ach ich hör jetzt hier mal auf mit den Soziologiebasics. Es ist eine Auftragsarbeit für "Bild der Frau", Forschungsziel: Auflage. Da muss man dann vielleicht einfach hinnehmen, dass die Ergebnisse der Studie auf eine einzige zweifelhafte Zahl reduziert werden, aus der sich irgendwie eine krachende Schlagzeile herauswringen lässt. Und noch schöner lassen sich die ollen Frauen-Männer-Heterodrama-Klischees natürlich mit einer Prise Feminismus-Schelte aufsexen... 

Zur Gemütsaufhellung ein anderer, satirischer Artikel, aus der aktuellen konkret: Dort lässt Barbara Kirchner reichlich Dampf ab gegen die Tabubrechersexisten in den Medien, namentlich Evolutionsexperten wie Harald Martenstein. Im Übrigen ruft ihr Text geradezu nach unser neulich erschienenen Argumentationshilfe zum Unwissenschaftlichkeits-Vorwurf: "Wenn Martenstein wirres Zeug von Tatsachen und Wissenschaft spinnt, muß man ihm Tatsachen und Wissenschaft beibringen." ;-)

In diesem Sinne hier nochmal Werbung für unsere Antwort auf Kirchners Frage "Wo bleibt der Aufschrei, wenn sich Geld- und Hodensäcke über Frauenförderung und Meinungsdeppen über Gender auslassen?": Die Broschüre "Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie" ist nun auch als Printversion verfügbar.

Sonntag, 29. September 2013

Gleichstellung - jetzt... Gleichstellungspolitik stärken

Dieses Mal nur ein kurzer Hinweis auf eine Initiative, die derzeit meine Ressourcen ein wenig bindet: Gleichstellung jetzt. Unterstützung ist willkommen!

Zum Hintergrund:
Der Vorschlag „Gleichstellung jetzt – Gleichstellungspolitik stärken“ ist Ergebnis eines Diskussionsprozesses einiger Unterzeichnerinnen und Unterzeichner und weiterer Gender- und Gleichstellungsfachleute. Wir finden, dass es nun an der Zeit ist, den Verfassungsauftrag der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ernst zu nehmen und ihn wirkungsvoll umzusetzen.
Wenn Sie unsere Auffassung teilen, möchten wir Sie bitten:
  • den Vorschlag mit zu zeichnen (Details unten).
  • den Vorschlag gezielt an Personen weiterzuleiten, die Einfluss auf Gleichstellungspolitik und auf die Koalitionsverhandlungen haben.
  • den Vorschlag in gleichstellungspolitischen Netzwerken möglichst breit zu verteilen und bekannt zu machen.
  • den Vorschlag über geeignete Kanäle zu veröffentlichen; z.B. auf die Webseite Ihrer Institution stellen, twittern, interessierte Journalistinnen und Journalisten zur Berichterstattung animieren.
Eine zentrale Koordination im Sinne einer klassischen Kampagne kann es aus Kapazitätsgründen nicht geben. Lassen Sie sich daher von "Schwärmen", "Rizomen", "Ameisentaktiken" oder weiteren Metaphern Ihrer Wahl inspirieren und verschaffen Sie dem Vorschlag für eine stärkere Gleichstellungspolitik mehr Gehör.

Wer diesen Vorschlag unterzeichnen möchte, schickt bitte eine E-Mail mit Namen (ggf. Titel, Vorname, Name und ggf. Funktion) an die Emailadresse: gleichstellung-jetzt@gmx.de

Montag, 29. Juli 2013

Exzesse des Gender-Marketing – Teil 2: Senf!



Neulich in einem großen Lebensmittelgeschäft in Bernau:  Auf der Einkaufsliste steht unter anderem Senf. Die erschlagende Warenvielfalt macht die Kaufentscheidungen nicht unbedingt einfach, es gibt Senf in gefühlten 80.000 Variationen. Da entdecke ich tatsächlich „Männersenf“ und „Frauensenf“.   Die Inhaltsstoffe sind nahezu identisch, der Senf für Frauen wird jedoch als „scharf“ deklariert (siehe Abbildung).



Das wirft Fragen auf:

  •  Haben Frauen und Männer tatsächlich einen unterschiedlichen Senfgeschmack (und wurde das von der Firma Tons empirisch erhoben)?
  •  Will die in Pt. 1 genannte Firma den orientierungslosen Käuferinnen und Käufern einfach die Entscheidung einfacher machen? Oder um was geht es hier?
  • Wie verkaufen sich Frauen- und Männersenfe denn so?
  • Wieso gibt es kein Frauensenfregal (vorzugsweise in pink mit pikanter Note und geschwungenen Schriftzügen) und ein Männersenfregal (in satt dunkel gehaltenen Farbtönen mit möglichst markanten Schriftzügen)?
  • Wenn es selbst beim Senf eine Geschlechterdifferenz geben soll: Wäre es dann nicht konsequent den ganzen Supermarkt in Frauen- und Männerprodukte bzw. -abteilungen einzuteilen - so ähnlich wie in der Bekleidungsbranche?
Da ich diese Geschlechterdramatisierung merkwürdig finde, greife ich einfach zu dem Senf, der bodenständig als „mittelscharf“ ausgewiesen wird und dessen Verpackung zudem nach Gebrauch  als formschönes Trinkgefäß dienen kann. Haben schon meine Eltern gerne gekauft. 



P.S.: Informationen zum Thema geschlechts- und alterbezogene Unterschiede beim Essen und Trinken gibt es in der Verzehrsstudie II (2008).